Gedanken zum Monat

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,

 manche Worte, die ich lese, sprechen mich sofort an, so der Winterpsalm von Lothar Zenetti:

Es ist jetzt nicht die Zeit, um zu ernten.
Es ist jetzt auch nicht die Zeit, um zu säen.

An uns ist es, in winterlicher Zeit
uns eng um das Feuer zu scharen
und den gefrorenen Acker
in Treue geduldig zu hüten.

Andere vor uns haben gesät.
Andere nach uns werden ernten.

An uns ist es, in Kälte und Dunkelheit
beieinander zu bleiben und während es schneit,
unentwegt wachzuhalten die Hoffnung.

Das ist es.
Das ist uns aufgegeben
in winterlicher Zeit.

Beim zweiten Lesen kam mir der Gedanke: Es stimmt doch gar nicht: Wie viel wird auch heute ausgesät. Die Menschen, die ihren Beruf ausüben zum Wohl aller, die Eltern in den Mühen des täglichen Homeschooling, alle, die für andere da sind, Liebe schenken und Gutes tun, säen in winterlicher Zeit aus. Die Kinder und Eltern, die in unserer Gemeinde über 300 Segenspäckchen gebastelt und dann als Sternsinger 5.400 € (viel mehr als in den vergangenen Jahren) für die Kinder in der Ukraine und weltweit gesammelt haben, und alle, die dafür spendeten, haben kräftig ausgesät.

Dennoch liegt eine Wahrheit darin; wir spüren es: Nicht alle Zeiten sind gleich. Vieles, was wir sonst mit Freude getan haben, ist jetzt nicht möglich. Was tun? Die winterliche Zeit annehmen! Der Winterpsalm nennt drei Dinge, die wir tun können: Das Erste: beieinander bleiben und sich eng um das Feuer scharen. Nach innen schauen: Was trägt mich? Was wird mir auch jetzt geschenkt? Das Feuer der Liebe Gottes ist immer da. Dieses Feuer die Mitte sein lassen, die uns verbindet. Das Zweite: den Acker in Treue hüten. Der Acker – das ist mein Leben, in dem so vieles Kostbare verborgen ist. Was hat mir Gott anvertraut? Wer bin ich? Was lebt in mir? Und wenn viele Kontakte nicht möglich sind, die wenigen bewusster, aufmerksamer leben: Was bedeutet mir dieser Mensch? Was lebt er? Was schätze ich an ihm? Wie kann ich ihn stärken? Das Dritte: die Hoffnung wachhalten. Sich nicht verschließen in Traurigkeit, sondern sich ausspannen zu Gott hin, der das neue Leben wachsen lässt. Machen Sie mit bei den Exerzitien im Alltag, die wir in der Österlichen Bußzeit am 26. Februar beginnen: Ganz bei Trost lautet das Thema. Wie Sie (auch in räumlicher Distanz) dabei sein können, erfahren Sie in diesem Pfarrbrief.

Gemeinsam mit den Mitarbeitern grüßt Sie

Ihr Pfarrer Dr. Michael Höhle