Gedanken zum Monat
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,
das Titelbild unseres Pfarrbriefs zeigt die Darstellung Jesu im Tempel. Rembrandt hat diese Szene immer wieder gezeichnet und gemalt. Sein letztes Bild, das auf der Staffelei stand, als er 1669 starb, zeigt Simeon und Hanna mit dem Jesuskind. Unser Bild ist ein Frühwerk. Rembrandt war vielleicht 22 Jahre als, als er es malte. Licht fällt vom Fenster ein, und zugleich geht vom Kind Licht aus. Simeon hält das Jesuskind auf seinem Schoß und spricht zu Maria. Mit der Hand segnet er sie. Die Eltern knien: Maria gehen Simeons Worte ins Herz. Staunend schaut sie mit gefalteten Händen auf ihr Kind. Die Prophetin Hanna schaut ebenfalls auf das Kind, mit erhobenen Händen Gott preisend.
Ist Ihnen aufgefallen, dass hier drei Generationen miteinander verbunden sind? Im Zentrum ist das Kind. Jedes Kind, das geboren wird, trägt eine Verheißung in sich, mit jedem Kind wird die Welt neu, weil Gott sagt: Du bist mein geliebtes Kind. Wie gut, wenn die Eltern ein Gespür für das Geheimnis haben für das, was ihnen anvertraut ist. Dazu hilft die Generation der Großeltern mit ihrer Glaubens- und Lebenserfahrung, die weiter reicht als die Sicht der Eltern. Simeon segnet die Mutter. Er verschweigt nicht das Schwere, das auf sie zukommen wird, aber er sagt: Es ist gut, es ist Gottes Weg. Habt keine Angst.
Wie steht es um das Miteinander der drei Generationen in unserer Gemeinde? Viele junge Familien sind nach Berlin gezogen, die Großeltern wohnen weit entfernt. Gibt es bei uns Senioren, die noch etwas Zeit und Kraft haben, eine Familie zu begleiten, z. B. mit einem Kind zu lesen und beim Lernen zu helfen?
Umgekehrt begegnen mir in den Heimen alte Menschen, die einsam sind. Wenn doch jemand Zeit hätte…! Zuhören, von sich erzählen, einen kurzen Spaziergang begleiten - keine großen Dinge, aber es braucht Menschen, die es tun.
Manchmal fällt mir auf, dass ältere Menschen, die Jahr für Jahr kamen, nicht mehr im Gottesdienst sind. Haben wir sie vergessen, oder halten wir den Kontakt? Manchmal kommen direkte Anfragen: Könnte mich jemand mit dem Auto zum Gottesdienst bringen oder nur zu Fuß begleiten? Wer ist bereit dazu? Ich freue mich, wenn Sie sich bei mir oder in unserem Pfarrbüro melden, und stelle gern den Kontakt her.
Drei Generationen sind da – und verborgen ist Gott da mit seinem Licht.
Gemeinsam mit den Mitarbeitern grüßt Sie
Ihr Pfarrer Dr. Michael Höhle