Gedanken zum Monat

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,

was wünschen Sie sich zu Weihnachten? Manche werden da müde abwinken: „Ich habe doch alles, was ich brauche!“ – Wirklich alles? Advent ist eine Zeit, in der die Sehnsucht wach wird - und darin ruft unser Inneres, dass wir nicht alles haben und uns manches fehlt. Wenn ich nichts mehr wünsche, bin ich tot, abgestorben. Und ich soll mich nicht mit den kleinen Wünschen zufrieden geben – vor Weihnachten sollen es Wünsche sein, die bis zum Himmel reichen.

Ich wünsche mir, dass die Sehnsucht nach Gott neu erwacht, dass wir ihn zulassen und dass diese Sehnsucht uns Menschen zusammenführt, auch mit den Menschen, die mit dem Wort „Gott“ nichts anfangen können – die gleiche Sehnsucht ist in ihren Herzen. Ich wünsche mir, dass wir uns nicht zum Nabel der Welt machen, sondern dass wir die Augen aufmachen für die Menschen neben und mit uns, für ihre Nöte und für das, was der ganzen Schöpfung guttut. Ich wünsche mir, dass wir herunterkommen vom Anspruchsdenken und jeden Tag dankbar sind für das Geschenk des Lebens. Ich wünsche mir, dass der unsinnige, zerstörerische Krieg in der Ukraine aufhört und dass überall Frieden einkehrt in unseren Herzen. Ich wünsche mir, dass wir Weihnachten feiern: Gott, der in seiner Liebe unfassbar groß ist und der ein Menschenkind geworden ist, um dir und mir nahe zu sein.

Eigenartig: Unser deutsches Wort „wünschen“ hängt zusammen mit dem Wort „gewinnen“. Wer wünscht, ist schon auf dem Weg zum Gewinnen. Wer keine Wünsche mehr hat, ist dabei, sich zu verlieren.

In den „Pfarrnachrichten“ einer Gemeinde im Bistum Hildesheim hat ein Pfarrer Wünsche für das neue Jahr geäußert, die ich mir gern zu eigen mache und ein wenig umformuliere: „Ich wünsche mir einen großen Spiegel, in dem jeder seine eigenen Fehler erkennen kann, aber auch das Gute, das in ihm steckt; einen lauten Wecker, der uns aus der Gleichgültigkeit holt; viel Heftpflaster, um böse Zungen im Zaum zu halten; ein Fernglas, wenn uns die Weite fehlt; eine Rolltreppe nach oben, wenn wir in Traurigkeit gefangen sind; Nadel und Faden, um zerrissene Beziehungen wieder zu flicken; jeden Abend ein kleines Licht, in das wir unsere Sorgen stellen können; viele Eiswürfel für alle Hitzköpfe; mir selbst genügend Demut, um der Versuchung zu resignieren zu widerstehen, wenn die Wünsche nicht sofort in Erfüllung gehen; allen Menschen aber ein Meer von Liebe und Güte und Geduld, wie sie von Gott kommen.“

Mit allen guten Wünschen grüßt Sie und alle, die zu Ihnen gehören, gemeinsam mit den Mitarbeitern,

Ihr Pfarrer Dr. Michael Höhle