Gedanken zum Monat

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,

passend zum Karnevalsmonat zeigt unser Pfarrbrief Masken mit einem lachenden und einem traurigen Gesicht. Ich weiß nicht, ob Sie sich gern verkleiden. Dass wir auch im Alltag Masken tragen, bleibt wohl nicht aus. Nicht jeder soll Zutritt zu unserem Innern haben. Doch es bleibt die Frage: Wer bin ich – hinter der Maske? Dietrich Bonhoeffer hat im Gefängnis Tegel ein Gedicht mit dieser Frage geschrieben:
Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich träte aus meiner Zelle
gelassen und heiter und fest,
wie ein Gutsherr aus seinem Schloß.

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,
ich spräche mit meinen Bewachern
frei und freundlich und klar,
als hätte ich zu gebieten.


Wer bin ich? Sie sagen mir auch,
ich trüge die Tage des Unglücks
gleichmütig lächelnd und stolz,
wie einer, der Siegen gewohnt ist.
 
Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?
Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiß?
Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,
ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,
hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,
dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe,
zitternd vor Zorn über Willkür und kleinlichste Kränkung,
umgetrieben vom Warten auf große Dinge,
ohnmächtig bangend um Freunde in endloser Ferne,
müde und leer zum Beten, zum Denken, zum Schaffen,
matt und bereit, von allem Abschied zu nehmen?
 
Wer bin ich? Der oder jener?
Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?
Bin ich beides zugleich? Vor Menschen ein Heuchler
Und vor mir selbst ein verächtlich wehleidiger Schwächling?
Oder gleicht, was in mir noch ist, dem geschlagenen Heer,
das in Unordnung weicht vor schon gewonnenem Sieg?
 
Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.
Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!
Bonhoeffer kann die Frage nicht durch Selbstanalyse beantworten, aber er weiß, an wen er sie geben kann: Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott! Wenn ich das weiß, dass ich nicht einmal mir selbst, sondern Gott ganz gehöre und dass er mein Leben trägt, gewinne ich eine tiefere Gelassenheit.
Am 23. Februar beginnen wir Exerzitien im Alltag mit dieser Frage: Was trägt? Machen Sie mit, der Frage nachzuspüren. Nehmen Sie das kleine, handliche Heft, das wie ein Geländer für die Österliche Bußzeit sein kann, zu Hilfe oder die Impulse, die Sie auf unserer Homepage finden. Nutzen Sie die Möglichkeit zum Gespräch in einer kleinen, vertrauten Gruppe.    

Gemeinsam mit den Mitarbeitern grüßt Sie  

Ihr Pfarrer Dr. Michael Höhle