Gedanken zum Monat

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,

das Bild auf dem Pfarrbriefmantel spricht mich an. Es zeigt die Menschen, die unterwegs sind. In Gedanken reihe ich mich ein, ich bin einer von ihnen. Zugegeben, die Kamele passen nicht zu uns. Es müssten eher Autos sein, Züge, Fahrräder oder die neuen E-Scooter. Eines allerdings ist seit Menschengedenken, seit den Tagen, als sich die Sterndeuter aus dem Osten auf den Weg machten, geblieben: Wir sind unterwegs, wir hetzen von Termin zu Termin, von der Arbeit nach Hause... Wohin eigentlich? Wenn es so etwas geben könnte: Stunden, in denen wir durch das Licht hindurch gehen! Augenblicke „wie Weihnachten“, wo unser Laufen in einem anderen Licht erscheint, wo wir erfahren, dass es nicht ins Leere läuft, wo wir erspüren, was Sinn macht und was nicht, wo Licht ist und wo Dunkelheit.

Für die nächsten Tage habe ich mir einen Vorsatz vorgenommen: Wenn ich zum nächsten Termin eile, dann möchte ich immer wieder nach links und rechts schauen: in die Gesichter der Menschen, die zufällig meinen Weg kreuzen, hinein und ein wenig darin lesen. Dann möchte ich ins Herz nehmen: Das haben wir gemeinsam: wir sind unterwegs — wie die Karawane auf dem Bild. Ob wir es wissen oder nicht — zum selben Ziel, dieselbe Sehnsucht treibt uns in der Tiefe unseres Herzens an. Gern möchte ich dem Menschen, in dessen Gesicht ich schaue, sagen: Ich wünsche dir einen Lichtblick, der dich aufleben lässt und dir zeigt, dass dein Laufen nicht vergebens ist.

Wir Christen sagen: Noch ehe wir den ersten Schritt tun, macht sich Gott auf den Weg zu uns. „Wenn der Mensch Gott sucht — viel mehr noch sucht Gott den Menschen!“ (Johannes vom Kreuz) Auch dieser Advent, dieses Fest hält Augenblicke bereit, in denen Gott mich sucht und zu mir sagt: Hier bin ich! Wach auf! Es werden schlichte menschliche Gesten sein, in denen etwas steckt. Dass ich dann wirklich aufwache oder wenigstens im Nachhinein weiß: Ich bin durch das Licht hindurch gegangen! Wer das Licht gesehen hat, geht anders weiter.

Eine gute Adventszeit, ein gesegnetes Geburtsfest des Herrn und ein von ihm geschenktes und geführtes neues Jahr mit vielen Lichtblicken wünscht Ihnen und allen, die zu Ihnen gehören, gemeinsam mit den Mitarbeitern

Ihr Pfarrer Dr. Michael Höhle