Gedanken zum Monat

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,

ein eigenartiges Motiv hat sich eine Grafikerin für die diesjährige Renovabis-Pfingstaktion ausgedacht: Einer, der über das Wasser läuft. Im letzten Jahr hat uns das Evangelium von Jesus und Petrus auf dem See Genesareth durch die Erstkommunionfeiern begleitet (Mt 14,22-33). Wir spüren, dass manche Sicherheiten nicht mehr da sind. Was ist fest? Das Evangelium schildert sehr realistisch, wie Petrus untergeht, als er auf den Wind und die Wellen und auf seine geringen Kräfte schaut. Es erzählt aber auch von seinem Mut, den schützenden Raum des Bootes zu verlassen und auf Jesus zuzugehen – über das Wasser! Und es geht! Vielleicht fallen Ihnen Erlebnisse ein, wo Sie im Nachhinein sagen: Dass ich das geschafft habe, dass ich diese Zeit bestanden habe! Eigentlich war ich doch viel zu schwach! Eine Erfahrung: Wenn wir auf Jesus schauen, wenn wir Gott vertrauen, können wir manches, was über unsere Kräfte geht. Wenn wir Gott groß sein lassen, wachsen uns Kräfte zu. Das ist das Geheimnis von Ostern: Der Gott des Lebens öffnet Türen und durchdringt Mauern, wo wir es nicht für möglich halten. Und er gibt Kraft, Wege zu gehen – auch ins Ungewisse. In einem Gedicht von Mascha Kaleko heißt es:

„Zerreiß deine Pläne. Sei klug

und halte dich an Wunder.

Sie sind lang schon verzeichnet

im großen Plan.

Jage die Ängste fort

und die Angst vor den Ängsten.“

Mir gefällt dieser Satz: Sei klug und halte dich an Wunder. Zunächst scheint derjenige, der nicht mit dem Wunderbaren rechnet, der Kluge, Realistische zu sein, aber er engt sich selbst ein. Schon für die Schöpfung gilt ein Wort Albert Schweitzers: Wir wissen, wie sich das Licht bricht, aber das Licht bleibt ein Wunder. Wir wissen, wie die Pflanze wächst, aber die Pflanze bleibt ein Wunder. So ergeht es uns mit allen Dingen auf dieser Welt; wir besitzen viele Kenntnisse, doch die Schöpfung bleibt ein Wunder.“

Wir wollen die Wirklichkeit sehen, wie sie ist, die Nöte der Menschen, die Krieg und Terror erfahren, aber nicht vergessen, wie wir von Gott gemeint sind, und auf den schauen, der Grenzen überwindet. Bei einer Tauffeier haben Eltern vor kurzem das Pfingstevangelium als Lesung ausgesucht. Sie sagten: Pfingsten bedeutet doch, dass das Wunderbare, das Jesus gewirkt hat, weitergeht. Wir wünschen unseren Kindern, dass sie es erfahren und leben!      

Gemeinsam mit den Mitarbeitern grüßt Sie

Ihr Pfarrer Dr. Michael Höhle