Gedanken zum Monat

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,

unsere Firmanden schrieben vor kurzem in Stichworten auf, was sie mit Ostern verbinden: eine Bandbreite von Osterferien, Ostereiern, Osterhasen bis zur Ab-folge unserer Feiern von Gründonnerstag hin zur Osternacht. So bunt durcheinander sind unsere Assoziationen. Für uns Christen aber hat Ostern einen Kern, eine Tiefe, in der es um Leben und Tod geht, und ich muss noch konkreter werden: um meinen und deinen Tod, um meine und deine Angst davor, zu sterben und Menschen sterben zu sehen, und um meine und deine Hoffnung auf Leben, das stärker ist. Andreas Knapp hat ein Gedicht geschrieben:

Ostern

im anfang
war der tod
und der tod war alles
und alles war tot

doch dann das wort
liebeserklärung an das leben
und die tote materie
ist fleisch geworden

der tod aber sitzt tief
und untergräbt das leben
wenn ER aber
das wort ist
dann hält er wort
behält das letzte wort

Für uns Christen zeigt sich im Ostergeheimnis am tiefsten, wie Gott ist: er geht unsere Wege mit, auch in Leid und Tod hinein und nimmt uns an die Hand und sagt uns: Habt keine Angst, ich bin da.

Wenn ich Ostern feiere, dann kann ich alle meine Begegnungen mit Leid und Tod, die Enttäuschungen und Traurigkeiten, die unlösbaren Fragen mitbringen. Ich konfrontiere sie mit dem, was an Jesus geschehen ist: Der Tod ist tot, das Leben lebt. Gott wird auch bei mir das letzte Wort behalten.

Und in den Augenblicken der Freude, des Gelingens und Wachsens möchte ich Gottes „Liebeserklärung an das Leben“ nachspüren. Ich freue mich, mit Ihnen Ostern zu feiern, denn wir suchen darin, was uns miteinander in der Tiefe verbindet und uns die Kraft schenkt, die wir selbst nicht haben.

Gemeinsam mit den Mitarbeitern grüßt Sie und wünscht Ihnen eine gesegnete Feier des Osterfestes, wenigstens 50 Tage lang,

Ihr Pfarrer Dr. Michael Höhle