Gedanken zum Monat

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,

Rose Ausländer (1901-1988) hat ein Gedicht geschrieben:

Gemeinsam
Vergesset nicht
Freunde
wir reisen gemeinsam

besteigen Berge
pflücken Himbeeren
lassen uns tragen
von den vier Winden

Vergesset nicht
es ist unsre
gemeinsame Welt
die ungeteilte
ach die geteilte

die uns aufblühen läßt
die uns vernichtet
diese zerrissene
ungeteilte Erde
auf der wir
gemeinsam reisen

Mit Recht sagen wir oft „ich“: meine Erfahrungen, meine Wünsche, meine Zeit, mein Leben, meine Ideen... Dabei kann man vergessen, dass es nicht nur meine Welt ist, sondern unsere. Wir spüren heute deutlich den Trend zum Individualismus, zu nationalen Egoismen, zum Rückzug in private Glücksoasen. So ist es gut, sich zu Beginn des Jahres klar zu machen: wir reisen gemeinsam – wir teilen das kleine Stückchen Erde, auf dem wir leben, miteinander, und wir wollen es nicht zerteilen. Wir, das sind alle Menschen, die mit uns im selben Haus leben, in derselben Straße, in derselben Stadt und darüber hinaus. Eine Gemeinde wie unsere bietet die Chance, sich das bewusst zu machen: So verschieden wie wir sind, wir sind gemeinsam unterwegs mit unserem Gott, zu unserem Gott. Das muss immer wieder konkret werden, wenn wir gemeinsam Gottesdienst feiern und nicht jeder für sich in seine private Andacht geht, wenn wir Sorgen, Lasten und Freude einander mitteilen und sie dann auch miteinander teilen, wenn wir uns öffnen für Menschen, die noch am Rand stehen... Stellen Sie sich selbst einmal die Frage: Wo wird für mich dieses „gemeinsam“ konkret, wo trage ich mit, und konsumiere nicht nur? Wo möchte ich in diesem Jahr über meinen engen Kreis hinaus schauen und Gemeinschaft fördern?

Gemeinsam mit den Mitarbeitern grüßt Sie

Ihr Pfarrer Dr. Michael Höhle