Gedanken zum Monat

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,

Gottseidank habe ich den Zug noch gekriegt!“ „Gottseidank geht es meiner Mutter wieder besser!“... Wie oft höre ich die formelhafte Wendung! Lachen musste ich bei einer Reise, als ich auf der Rückfahrt mit dem Busfahrer ins Gespräch kam, den seine Passagiere etwas nachdenklich gemacht hatten. Er erzählte von sich und sagte dann: „Gottseidank brauche ich keinen Gott.“ Ich antwortete ihm: „Da haben Sie etwas Wahres gesagt. Alle Menschen leben in jedem Augenblick von Gott; alle Menschen beschenkt Gott, auch wenn sie ihn nicht mit Namen nennen und wenn sie sagen, dass sie ihn nicht brauchen.“

Wie wäre es, wenn Sie dieses Gottseidank sich einmal bewusst machen: immer dann, wenn Ihnen oder einem anderen Menschen etwas geglückt ist, wenn Sie etwas genießen können, wenn Sie lachen konnten, wenn Sie ruhig werden, wenn der Abend kommt und manches bestanden ist... Stoßgebet nennt man das: die Schwere, die sich so oft über unsere Alltagswelt legt, wird aufgestoßen – hin zu Gott. Oder wie Augustinus sagt: Diese Gebete, die nur aus wenigen Worten bestehen, sind wie „Pfeile in den Himmel“, um die Sehnsucht nach Gott wachzuhalten.

Lothar Zenetti hat einmal ein Gebet geschrieben:

Er ist nicht fern
Unbegreiflich ist Gott und dennoch zum Greifen nah:
Überall und auch hier, wo du bist, so lehren die Väter
der Gotteserfahrung, kannst du ihn finden, ganz nahe bei dir,
so wie die Luft dich umgibt hier in der wärmenden Sonne.
Spürst du das: Wärme? Und wie die Luft dich jetzt
gänzlich umfängt? Fühle nur dies, fühl es mit
sämtlichen Poren der Haut und mit allen Zellen des Körpers
und ungeteilter Aufmerksamkeit bis in die Tiefen der Seele.
Atme sie ein, diese Luft, diese Wärme, bis sie dich
völlig durchflutet. Und so nimm sie wahr, diese Welt
und alle geschaffenen Dinge in großer Ehrfurcht und Demut
und bete den an, der sie schuf. Spür seine Liebe in allem,
spür seinen Atem in deinem.

Er ist nicht fern einem jeden von uns.

Nicht nur am 14. Oktober, wenn wir in unseren Kirchen Erntedank feiern, ist es gut, innezuhalten, nachzuspüren und zu sagen: Dir, Gott, sei Dank!

Gemeinsam mit den Mitarbeitern grüßt Sie

Ihr Pfarrer Dr. Michael Höhle