Gedanken zum Monat

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Gäste,

am 19. Juni werden wir in unserer Gemeinde einen Vortragsabend über Max Josef Metzger halten. Das Erlebnis des Ersten Weltkriegs hat ihn zum Pazifisten bekehrt, zum Menschen, der alle Kräfte einsetzt, um für Frieden und Versöhnung unter den Völkern und für die Einheit der Christen zu wirken.

Seit 1940 lebte Metzger in unserer Nachbarschaft in Berlin- Wedding; 1944 wurde er vom NS-Staat hingerichtet. Im Prozess vor dem Volksgerichtshof suchte ihn der fanatische Richter Freisler verächtlich zu machen; die 300 bestellten Zuschauer schütteten sich aus vor Lachen. Metzger blieb standhaft. In einem Gedicht „Mensch unter Menschen“ schrieb er in seiner Gefängniszelle:

„Normal“ zu sein gilt mir wie eine Schande!
Als Mensch „genormt“ – der Ekel kommt mich an!
Mit eignem Namen mich der Schöpfer nannte,
da er mich rief auf meines Lebens Bahn.

Nicht eine Zahl, ein Glied der großen Herde,
ein Eigenmensch mit eigenem Gesetz,
so ziemt’s dem köstlichen Geschöpf der Erde!
So schuf Er einmal mich, so blieb ich stets.

In den folgenden Strophen weiß Metzger den Sonderling zu unterscheiden vom „Eigenmenschen“, der nicht blind den Gesetzen der Masse folgt.

Am 17. Juni wird der Erzbischof in unsere Gemeinde kommen, um 23 Jugendlichen und Erwachsenen das Sakrament der Firmung zu spenden. Das könnte für uns alle Anlass zum Nachdenken sein: Wer bin ich?

Nicht einfach eine Zahl, ein „genormtes“ Teil der Masse, sondern „Mensch unter Menschen“, wie Metzger es formuliert, ein „köstliches Geschöpf der Erde“, unverwechselbar, von Gott beim Namen gerufen und mit Gaben beschenkt.

Der Heilige Geist, der uns zugesprochen wird, atmet in uns, führt uns und hilft uns, der Mensch zu werden, der wir vor Gott sein können. Er bewahrt uns vor den beiden Gefahren, ein „Sonderling“ zu werden oder in der Masse aufzugehen.

Wer bin ich? Wo ist mein Platz? Welche guten Gaben darf ich mit anderen leben und ausstrahlen? Wo muss ich mich neu entscheiden für den guten Weg, den Gott mit mir gehen möchte?

Unsere Firmbewerber haben eine Entscheidung getroffen: Ich möchte mein Leben dem Geist Gottes anvertrauen. Wir können sie durch unser Gebet mittragen.

Gemeinsam mit den Mitarbeitern grüßt Sie

Ihr Pfarrer Dr. Michael Höhle